„Iss und trink weniger!“ „Beweg dich mehr!“ „Hör auf zu rauchen!“

Viele der gängigen Gesundheitsregeln wollen wir eigentlich nicht hören, weil sie uns viel Mühe abverlangen und der Verbotsduktus abschreckend wirkt.

Eine Studie kommt jetzt zu dem Schluss: Gesundheitsformeln wirken besser, wenn wir an etwas denken, das über uns selbst hinausreicht. Ein Forscherteam von der Pennsylvania University konfrontierte 220 ausgesprochen unsportliche Menschen einen Monat lang täglich mit typischen Formeln zu den Vorzügen von Bewegung, wie etwa „Sport kräftigt die Muskeln“ oder „Vermeide den Fahrstuhl“. Zwei Drittel der Probanden sollten jedoch vorher und zwischendurch nicht nur an den ungeliebten Vorsatz, sondern auch an Freunde, Familie, Fremde, Gott oder einen anderen positiv gefärbten Inhalt jenseits von sich selbst denken.

Sämtliche Probanden hatten einen Schrittzähler am Handgelenk, und der zeigte am Ende der Studie: Wer sich auf die Gesundheitsformeln selbsttranszendierend eingestimmt hatte, hatte sich durchschnittlich doppelt so viel wie vorher bewegt – deutlich mehr als Teilnehmer ohne solch eine ich-übergreifende Einbettung ihrer guten Vorsätze. Überdies zeigte ein Hirnscan bei denjenigen Probanden, die über sich hinaus dachten, besonders aktive Belohnungszentren. Selbsttranszendentes Denken mache einem Menschen vermutlich klar, „dass seine Gesundheit ja nicht nur ihm, sondern auch anderen nutzt“, vermutet Studienleiterin Emily Falk. Das sei ein zusätzlicher Motivationsschub. Vielleicht kommt einem der Wandel aus dieser weniger ich-zentrierten Perspektive gar nicht mehr so mühsam vor.

Wer also über sich selbst hinausdenkt, ringt sich leichter zu einem gesunden Lebensstil durch. Womit auch eine weitere Erklärung dafür gefunden ist, warum Altruisten in der Regel länger leben als andere.

Quelle: JÖRG ZITTLAU – Psychologie Heute